Fotos: Mario Jahn
Altenburg. Henry Ford war sich sicher: Das wichtigste Kapital, das ein Unternehmen haben muss, findet man in keiner Bilanz - die Mitarbeiter. Hans-Reiner Kasel zitiert in seiner Festrede nicht von ungefähr den berühmten US-Autobauer. Für solche Mitarbeiter nämlich, die den Anforderungen der Zeit in jeder Hinsicht gewachsen sind, sorgt der 1. gemeinnützige Aus- und Weiterbildungsverbund (AWA) seit 14 Jahren. Seit wenigen Tagen nun in noch größerer Zahl und höherer Qualität der Ausbildung. Auf dem Areal an der Franz-Mehring-Straße wurde der Erweiterungsneubau des AWA offiziell eingeweiht.
Auf die 800 Quadratmeter Ausbildungsfläche, die auf einem Teil des ehemaligen Parkplatzes nun zur Verfügung stehen, haben Azubis, Umschüler und Weiterzubildende sowie Lehrkräfte sehnsüchtig gewartet. Denn das Ausbildungsunternehmen platzt der großen Nachfrage wegen förmlich aus allen Nähten. Die CNC-Ausbildung, das Maschinenkabinett, das Messlabor mit digitaler Messtechnik und Werkstoffprüfeinrichtungen, das manuelle berufspraktische Kabinett haben hier nun ihr neues Zuhause. Im Obergeschoss bietet ein Ausbilderraum den Lehrkräften inzwischen auf 24 an der Zahl angewachsen - spürbar bessere Arbeitsbedingungen.
Die Qualität der Ausbildung, die sich in gezielter Nachfrage und
hohen Vermittlungsquoten manifestiert, hat sich mittlerweile über
das Altenburger Land hinaus herumgesprochen. Bei der Firma Cotesa im sächsischen
Mittweida setzt man beispielsweise ebenso auf die Qualitätsausbildung
des AWA wie bei der Firma Fischer Advanced Composite Components AG (FACC), österreichischer
Zulieferer für führende Flugzeughersteller. Vier Fünftel
der Ausbildung und Qualifizierung für das Personal dieser beiden
Unternehmen finden übrigens vor Ort in Mittweida und in Ried im Innkreis
statt.
In den Neubau, in Innenausstattung sowie hochwertige neue Technik investierte
der Verein rund 650000 Euro. Alles selbst erwirtschaftetes Geld, wie der
geschäftsführende Vorsitzende Hans-Reiner Kasel betont. Ohne
Fördermittel in Anspruch zu nehmen oder den Steuerzahler zu belasten.
Dafür sowie für die insgesamt überaus positive Entwicklung sprach Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) anlässlich der Einweihungsfeier dem AWA "ein riesengroßes Kompliment" aus. "Wir haben oft mit potenziellen Investoren zu tun, die als allererstes fragen, wie hoch denn die Förderung und die Unterstützung durch die Stadt ist." Wolf lobte außerdem, dass hier ein innerstädtischer Standort aufrecht erhalten wird. Auch zahlreiche Firmenvertreter nutzten die Möglichkeit, um sich für die gute Zusammenarbeit zu bedanken. So hat beispielsweise das Altenburger Armaturenwerk seit 1994 schon 30 AWA-Absolventen eingestellt, berichtete Prokurist Jürgen Dobmaier. Zwar kann die Firma Cotesa erst auf drei Jahre der Zusammenarbeit mit dem AWA zurückblicken, aber die seien nicht minder erfolgreich, so die Geschäftsführerin Jeanette Scherf. Zwei Lehrgänge wurden inzwischen erfolgreich abgeschlossen. "Wir haben von 40 Leuten 30 eingestellt." Dabei zählte neben der Qualifikation auch die Motivation: "Zufriedene Azubis werden motivierte Mitarbeiter."
Durch die Ausstattung mit hochmoderner Technik habe der AWA ein sehr starkes
Alleinstellungsmerkmal, freute sich auch Gerhard Schlütter vom Bundesverband
mittelständische Wirtschaft, Kreisverband Altenburger Land, über
die Erfolgsgeschichte.
Dieser soll nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. Denn der
Aus- und Weiterbildungsverbund engagiert sich für das neu aufgelegte,
jetzt beginnende Studium plus. Für diesen Bachelor-Studiengang der
Fachhochschule Jena hat der AWA als einziges Unternehmen im Kreis gleich
zwei Studenten unter seine Fittiche genommen. Dazu passt nicht nur das
Zitat von Ford, sondern auch eins von Kasel: "Erwarten Sie in Zukunft
noch mehr vom AWA e.V!" Ellen Paul