OVZ vom 14.06.2006
"Kleiner" AWA bei großem Bahnhof
AWA-Chef Hans-Reiner Kasel (1.), sein Stellvertreter Steffen Türk (r.) und FACC-Vorstand Manfred Neuböck bei der Präsentation des Bauteils "Translating-Sleeves" auf dem Salzburger Flughafen Foto:privat
Skatstädter als einzige deutsche Bildungsfirma bei Flugzeug-Präsentation in Salzburg dabei

Altenburg/Salzburg. Großer Bahnhof im Hangar 7 auf dem Salzburger Airport. Die österreichische Firma Fischer Advanced Composite Components AG (FACC), namhafter Zulieferer für führende Flugzeughersteller, hatte eingeladen, um ein Bauteil für die in einem Jahr auf den Markt kommende Boeing 787 zu präsentieren. Und alles, was Rang und Namen in der Luftfahrtindustrie hat, kam, um die Schubumkehr als erstes fertiges Teil für den neuen Dreamliner und zugleich als generell neues Teil in der Zivilluftfahrt in Augenschein zu nehmen. Unter ihnen der österreichische Verkehrsminister, der Boeing-Vorstand - und die Geschäftsführung des kleinen AWA aus Altenburg.

Nun ist dessen Chef Hans-Reiner Kasel wahrlich nicht dafür bekannt, sein Licht unter den Scheffel zu stellen und nimmt das Wort "klein" im Zusammenhang mit dem 1. Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg für gewöhnlich nicht in den Mund. "In diesem Fall aber ist es wirklich angebracht, um die Dimension zu verdeutlichen", sagt er. Denn der AWA aus der Skatstadt war die einzige geladene deutsche Bildungsfirma in dieser hochkarätig besetzten Veranstaltung in Salzburg.

Und das aus gutem Grund: Seit Jahren ist der AWA als Ausbilder für den ortsansässigen Flugzeuglieferer Kunststofftechnik Nobitz bekannt. KTN zeichnet für Innenausbauteile für Airbus, beispielsweise den A 380, verantwortlich. Die österreichische Firma, 1350 Mitarbeiter stark, hingegen produziert Strukturbauteile für Airbus und Boeing."Die langjährige und angenehme Zusammenarbeit mit KTN hat dazu beigetragen, von Österreich entdeckt zu werden. Das Ausbildungsprofil ergänzt sich", erläutert Kasel und bekennt: "Unser Herzblut gehört dem Altenburger Land, aber es ist auch schön und anspruchsvoll, woanders gebraucht zu werden.“

Die ersten 16 Österreicher werden derzeit beim AWA qualifiziert. Insgesamt sollen es bis zum nächsten Jahr 75 FACC- Mitarbeiter sein. Foto Mario Jahn

Inzwischen war der Technische Vorstand von FACC, Manfred Neuböck, persönlich in Altenburg, hat die Gegebenheiten vor Ort in Augenschein genommen und aufgrund des technischen Know-how und der hoch qualifizierten Lehrkräfte entschieden: Hier lassen wir ausbilden. Der Aus- und Weiterbildungsverbund setzte sich damit gegen andere, in deutschen Landen nicht unbedeutende Ausbildungsfirmen durch. Seit wenigen Tagen nun sind die ersten 16 Österreicher hier und unterziehen sich einer dreiwöchigen Weiterbildung. Bis 2007 sollen es insgesamt 75 FACC- Mitarbeiter sein. Zudem sind in regelmäßigen Abständen Lehrkräfte in Salzburg, denn die Vor-Ort-Ausbildung gehört zu den jüngsten Offerten des AWA. Davon profitieren derzeit auch Cotesa Composite und Cotesa Struckers, zwei Zulieferer der Luftfahrt- und Automobilindustrie in Mittweida. Rund 60 Mitarbeiter werden derzeit vor Ort sowie in Altenburg qualifiziert.

Ein solches Auftragspotenzial - neben dem traditionell überaus gut genutzten Aus- und Weiterbildungsangebot für die Firmen der Region - stellt den AWA vor neue logistische Herausforderungen. "Wir platzen derzeit sprichwörtlich aus allen Nähten. Weitere Räume in der ehemaligen Textima wurden von uns bereits angemietet und auch neue Mitarbeiter eingestellt", freut sich Hans-Reiner Kasel. Darunter sogar zwei Arbeitslose deutlich jenseits der 50 Jahre, die auf dem Arbeitsmarkt sonst wohl kaum noch eine Chance gehabt hätten.

"All das ist ein Beweis dafür, dass wir nie die einfachsten und billigsten Wege gehen. Und dies seit nunmehr schon 13 Jahren ohne einen Pfennig oder Cent staatlicher Förderung", betont der AWA-Chef. Ellen Paul

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