OVZ vom 9/10.07.2011
Altenburg. Es gab bekanntlich Zeiten nach der Wende, da scheuten die Schulen Kontakte zu Betrieben wie der Teufel das Weihwasser. Denn Unterrichtstage in der Produktion (UTP) oder Einführung in die sozialistische Produktion (ESP) waren als Anhängsel des DDR-Bildungssystems in noch allzu schlechter Erinnerung. Inzwischen aber haben viele Bildungseinrichtungen erkannt, dass die praktische Vorbereitung von Heranwachsenden auf spätere berufliche Herausforderungen sehr wohl von Wert ist. Schnuppertage, Praktika oder eine Zusammenarbeit mit Betrieben über Kurs 21 sind das bekannte Ergebnis.
Die Europäische Mittelschule Waldenburg ging noch einen Schritt weiter. Sie entschied sich für regelmäßigen Unterricht und schloss mit dem 1. gemeinnützigen Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg (Awa) eine entsprechende Kooperationsvereinbarung ab. Zweimal im Monat machten sich im jetzt zu Ende gegangenen Schuljahr Fünftklässler mit Schulbussen auf den Weg in Richtung Skatstadt, stellten sich an die Werkbank oder erfuhren im theoretischen Unterricht viel Wissenswertes über Wirtschaft und Industrie.
„Eines Tages hatte ein Vertreter des Trägervereins der Schule vor der Tür gestanden und gefragt, ob wir Partner für die Waldenburger sein wollen“, erinnert sich Awa-Chef Hans-Reiner Kasel. „Ich fand das sehr mutig, denn dies ist eigentlich eine Wiederentdeckung des polytechnischen Unterrichts.“ Für die Waldenburger war das Renommee des Altenburger Bildungsunternehmens in Sachen Berufsorientierung, -vorbereitung und -ausbildung sowie Fortbildung und Umschulung ausschlaggebend für die Zusammenarbeit. Über 17.000 erfolgreiche Awa-Absolventen seit 1993 sprechen eine deutliche Sprache.
Und natürlich auch die bisherigen Erfolge, die der Ausbildungsverbund in Sachen „Berufsstart plus“ aufzuweisen hat. So wurden von 2009 bis 2011 über 100 Schüler der 8. und 9. Klassen aus Altenburger Regelschulen im sogenannten Orientierungs-Bausteine-Programm gezählt. Hinzu kamen zahlreiche schulische oder freiwillige Praktika, Schnuppertage oder der WRT-Unterricht (Wirtschaft-Recht-Technik) von Schülern der 8. Klasse der Regelschule „Dietrich-Bonhoeffer“.
Für Hans-Reiner Kasel allesamt ein Beweis dafür, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche mit Berufen vertraut zu machen. „Und damit kann man nicht früh genug beginnen.“ Deshalb wird die Kooperation mit Waldenburg im neuen Schuljahr noch erweitert, es sollen weitere Klassen einbezogen werden. Ellen Paul