OVZ vom 01.03.2006
Erfolg europaweit – AWA bildet jetzt auch für Boeing aus
Geschäftsführer und Kaufmännischer Leiter der Kunststofftechnik Nobitz, Matthias Ostendorf und Thoralf Todt, lassen sich von: AWA Chef Hans-Reiner Kasel (v. l.) die Arbeitsweise der digitalen Messmaschine erläutern. Foto: Mario Jahn
400 000 Euro in neue Technik investiert

Altenburg. Das kennt wohl jeder: Man kauft etwas, was man eigentlich gar nicht braucht oder was so richtig nicht gefällt. Nur weil ein cleverer Verkäufer das gute Stück schöngeredet hat. Derlei bleibt dem Kunden beim 1. Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg (AWA) erspart. "Wir orientieren uns mit unserem Angebot ausschließlich am Bedarf der Firmen und verkaufen nicht, was wir gerade da haben", versichert Geschäftsführer Hans-Reiner Kasel. Und hat damit bekanntlich beachtlichen Erfolg.

Ein Erfolg, der sich inzwischen weit über die Kreisgrenzen, ja sogar Landes­grenzen hinaus herumgesprochen hat. Seit kurzem nämlich ist der AWA nach Airbus auch bei Boeing als Fachausbil­dungsbetrieb offiziell gelistet. "Wir werden für den namhaften Flugzeughersteller in seiner Niederlassung in Österreich tätig", kann Kasel ein weiteres Puzzle in der nun mehr fast 13-jährigen Erfolgsgeschichte hinzufügen. Seit 2002 bildet der AWA bekanntlich sämtliche Mitarbeiter für die Kunststofftechnik Nobitz aus und ist dadurch mit Airbus im Geschäft.

Handfeste Kontakte gibt es inzwischen auch mit Europas größtem Windkraft­hersteller Vestas. Das in Dänemark ansässige Unternehmen hat beim AWA Interesse für Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in seiner deutschen Niederlassung angemeldet.

Vor-Ort-Ausbildung - diese neue Offerte des AWA kommt aber beileibe nicht nur Großunternehmen wie Boeing oder Vestas zugute. Überall, wo sich Betriebe keine langen Fahrzeiten leisten können, kommen die AWA-Mitarbeiter neuerdings direkt ins Haus. Das hat zudem den Vorteil, dass passgenau an jenen Maschinen aus- und weitergebildet wer­den kann, die im täglichen Arbeitsprozess beherrscht werden müssen.

Was allerdings keine Vernachlässigung der eigenen Ausbildungsstätte auf dem ehemaligen Altin-Gelände in Altenburg bedeutet, versichert der Chef. Hier werden weiterhin erhebliche Mittel, in modernste Technik investiert. Weil beispielsweise an der Qualitätssicherung und Garantie heutzutage auf dem Weltmarkt kein Weg mehr vorbeiführt, bildet der AWA seit zwei Jahren an einer Maschine für digitale 3-D-Messtechnik aus. Außerdem wird derzeit ein europaweit anerkanntes Werkstoffprüflabor aufgebaut. Hier können alle Metalle und Kunststoffe auf Reinheit, Beschaffenheit und Zusammensetzung untersucht werden.

Bereits bestellt ist zudem eine hochmoderne Heißluft-Autoklave-Anlage. "Das ist die nächste Liga in der modernen Ofentechnik, in der wir da mitspielen", ist Kasel stolz. Damit lassen sich bei hohen Temperaturen noch widerstandsfähigere Bauteile herstellen, was vor allem für Flugzeugzulieferer von enormer Bedeutung sei.

"Summa summarum werden in nächster Zeit vom 1. Aus- und Weiterbildungsverbund rund 400 000 Euro in neue Technik investiert. Ohne einen Cent Fördermittel", wie der Geschäftsführer betont. "Da aufgrund der Gemeinnützigkeit unseres Vereins kein Gewinn erwirtschaftet werden darf, fließt alles, was übrig bleibt, in die Ausbildung zurück."

"Dass wir den AWA haben, ist ein Glücksfall für die Region, ein Standortvorteil in Thüringen und Mitteldeutschland", resümierte Dr. Gerhard Schlütter, Chef des Bildungsverbandes Mitteldeutscher Wirtschaft (BVMW) im Landkreis, jüngst nach einem Besuch anerkennend. "Der AWA ist ein Botschafter des Alten­burger Landes im wahrsten Sinne des Wortes." Ellen Paul

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