Der Projektname ist so lang wie „unmerkbar“: Selbsterkenntnisse junger Erwachsener für eine Berufsausbildung in den Berufsfeldern Metall/Elektro-/Automatisierungstechnik/Kunststoff initiieren. Doch dem Erfolg tat dieses Wortungetüm zum Glück keinen Abbruch, zumal sich die Verantwortlichen ohnehin mit der Abkürzung SEMI selbst vor dem Zungenbrecher retteten. Ziel der im Sommer 2008 gemeinsam von der Altenburger Stadtverwaltung, der Bundesagentur für Arbeit und dem 1. gemeinnützigen Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg (AWA)gestarteten und auf ein Jahr begrenzten Aktion war es, Schülern bei der Berufsorientierung zu helfen. Gestern nun wurde offiziell Bilanz gezogen. Und die konnte sich sehen lassen.
Insgesamt haben sich 126 Schülerinnen und Schüler der drei Altenburger Regelschulen an SEMI-Projekttagen unter dem Dach des AWA beteiligt. Sie erkundeten unter dem Motto „Ran an die Maschinen“ die Berufsfelder der Metall-, Elektro-, Automatisierungs- und Kunststoffindustrie.
Die Jugendlichen konnten dabei herausfinden, ob ihre Vorstellungen von einem solchen Beruf realistisch sind. Das Interesse war so groß, dass das eigentlich nur für siebenten Klassen vorgesehenen Projekt auf die Klassen acht und neun ausgedehnt wurde, berichtet AWA-Chef Hans-Reiner Kasel. Und: „Es hat nicht nur den jungen Leuten, sondern auch uns sehr viel Spaß gemacht. Das ging sogar soweit, dass einige Schüler in den Ferien bei uns um ein Praktikum nachsuchten“, so Hans-Reiner Kasel. Und das, obwohl das gesamte Projekt auf Freiwilligkeit beruhe, niemand per Unterricht dazu verpflichtet wurde.
„Die Sache ist sowohl bei den Schülern als auch den Eltern sehr gut angekommen. Alle haben schnell erkannt, welch hohe Qualität beim AWA geboten wird“, zeigt sich auch der Direktor der Gebrüder Reichenbachschule, Steffen Lippold, überaus zufrieden. Seine Schule hatte schon vorher mit dem AWA eng zusammengearbeitet. „Schön, dass aus einer lockeren Affäre jetzt eine feste Verbindung entstanden ist“, lacht Lippold. „Es ist einfach toll, einmal in der Woche eine ganze Klasse in solch ein Projekt zu schicken“, pflichtet seine Kollegin von der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, Regina Kratsch, bei.
Angesichts dieser positiven Bilanz ist es nur folgerichtig, dass der AWA auch in diesem Schuljahr als Partner der Altenburger Regelschulen zur Verfügung steht. Und zwar im Rahmen der regulären Berufsorientierung über „Berufsstart plus“, einem gemeinsamen Projekt von Arbeitsagentur und Ostthüringer Ausbildungsverbund im Auftrag der Industrie- und Handelskammer. „Das Grundanliegen von SEMI kann so weitergeführt werden“, freut sich Agenturchefin Ingrid Meineck-Schmiedl. Anders als bislang – und das stellt nach Auffassung der Akteure einen Fortschritt dar – ist „Berufsstart plus“ ein schulisch integrierter Baustein der Berufswahlvorbereitung.
Ellen Paul