Osterländer Rundschau vom 14.10.2009
21 Teilnehmer einer Qualifizierungsmaßnahme haben vorgestern beim 1. Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg (AWA) ihre IHK-Zertifikate erhalten, die sie als Industriefachkraft für CNC-Technik ausweisen. Das ist für die renommierte skatstädtische Bildungsstätte wahrlich nichts Außergewöhnliches angesichts von rund 500 AWA-Absolventen jährlich.
Außergewöhnlich hingegen ist, dass diese 21 Leute im Alter zwischen 25 und 57 Jahren im letzten Drittel des Lehrgangs mehrere Wochen in einem Altenburger Hotel logierten, weil sie aus dem 160 Kilometer entfernten Königsee, gelegen am Nordosthang des Thüringer Waldes, kommen. Und genauso bemerkenswert ist, dass ihr Betrieb, die Widia GmbH, sich die Qualifizierungsmaßnahme einschließlich Hotel leistet, obwohl es der Firma derzeit gar nicht so gut geht. Denn der Hersteller für Hartmetallwerkzeuge ist Zulieferer der Autoindustrie und hat an den Folgen der Krise zu leiden. 85 Prozent der Mitarbeiter sind derzeit in Kurzarbeit Null.
„Wir haben mit dem Betriebsrat vereinbart, diese Zeit mit Qualifizierungen sinnvoll zu überbrücken, um nach der Krise gewappnet zu sein“, erklärt Personalreferent Michael Landgraf. „So bringen wir die Belegschaft über die schwierigen Monate.“ Sogar die im Haus beschäftigten Zeitarbeiter wurden nicht gekündigt, sondern einbezogen.
Über Mundpropaganda hat die Widia GmbH, die zur amerikanischen Kennametal-Gruppe gehört, vom AWA gehört und sich angesichts der Referenzen trotz der beachtlichen Entfernung für ihn entschieden. Und die Prüfungsergebnisse geben der Firmenleitung recht. „Die sind einfach klasse“, freut sich Michael Landgraf. „Alle Mitarbeiter waren mit großem Engagement dabei, obwohl manch einer seit 20 Jahren keine Schulbank mehr gedrückt hat.“
Und für den Aus- und Weiterbildungsverbund ist dies ein weiterer Beweis für die Richtigkeit seines Konzepts, auf die Erfordernisse der Wirtschaft zu reagieren. „Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass man nicht nur in seinen eigenen vier Wänden bleiben darf, sondern dorthin geht, wo seine Leistung gebraucht wird“, so AWA-Chef Hans-Reiner Kasel. Denn die theoretische Ausbildung fand in Königsee statt. Da hieß es für die AWA-Ausbilder, den Arbeitsort vorübergehend dorthin zu verlegen.
Es wird, darüber sind sich Hans-Reiner Kasel und Michael Landgraf bereits handelseinig, nicht das letzte Mal gewesen sein. EllenPaul